14 Dezember 2005

Traumland und Internet

Ich barg mein herz in ein nest von rosen
Weit von dem sonnenweg niederwärts
So weich kann nicht weicher schnee mit ihm kosen
Unter den rosen barg ich mein herz.


Sind das nicht wunderbare Worte? Es sind die ersten Zeilen aus "Eine Ballade vom Traumland" von Algernon Charles Swinburne. Und sie sind mit schuld daran, daß ich Internetsüchtig wurde.

Ich hab das Gedicht nämlich als Teenager gelesen, und dieses ersten Zeilen haben sich bei mir über Jahre festgesetzt. Ich war wohl ein sehr romantischer Teenager, Woodstock, Hermann Hesse und Laura Ashley in einem. Und so vor 15 Jahren fielen mir die Zeilen wieder ein, ich konnte mich aber nicht mehr weiter erinnern oder an den Autor. Und da riet mir jemand, es doch mal übers Internet zu versuchen. Heute kann man es sich nicht mehr so recht vorstellen, aber noch vor einigen Jahren war das Internet sehr einfach, und es gab nur ein paar sog. Groups, die sich meist mit computerrelevanten Fragen beschäftigten. Ich hab meine Frage also dort gestellt, und die Resonanz war für mich überwältigend. Ich konnte gar nicht fassen, daß plötzlich so viele Leute aus allen Teilen Deutschlands antworteten, und keiner verärgert oder abweisend, sondern so hilfsbereit, und ich bekam auch noch weitere "Rosengedichte" zurückgeschickt. Ich war absolut begeistert, welche Welt sich da plötzlich auftat, alles schien möglich, alle Fragen bekamen eine Antwort, so viele nette Menschen.

Ja, und so sitze ich noch heute fasziniert vor meinem Bildschirm, die Welt ist kleiner geworden und direkt in meinem Zimmer, ich glaube es gibt kein Gebiet mehr, das man nicht im Internet findet, und das ist verführerisch. Und ein ganz ganz kleines bißchen macht es mich auch wehmütig. Dann wünschte ich mir, wieder wie früher meine eigene Phantasie zu benutzen, statt wieder mal in der Welt rumzugoogeln.

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